Zeit zum Reflektieren und Entschleunigen
Im Garten ist bereits seit einigen Wochen Stille eingekehrt. Die Beete sind abgeerntet und bekommen jetzt die nötige Pause, um ab Frühling wieder durchzustraten. Gleichzeitig juckt es mich schon in den Fingern, das neue Gartenjahr zu planen. Ich mache Inventur in der Saatgut-Box und überlege, welche Sorten ich im nächten GArtenjahr ausprobieren möchte.
Ganz ähnlich verläuft die Bestandsaufnahme meines persönlichen Jahres und so entdecke ich immer wieder auch Parallelen zum Jahreskreis im Garten. Mit der Jahreswende nehme ich mir deshalb auch ein paar Momente, um innezuhalten und zurückzublicken. Was ist aus den Plänen aus dem letzten Jahr geworden? Was hat gut funktioniert, was eher nicht und will ich daran festhalten?
Aus dem Bauch heraus geht es dir vielleicht ähnlich. Das Jahr ist wieder einmal viel zu schnell vorbeigegangen und gefühlt ist nur die Hälfte deiner To-do’s auf der Liste abgehakt. Aber lass dich davon nicht täuschen. Du hast oft mehr erreicht, erlebt und dazugelernt als du es im letzten Jahr überhaupt hättest planen können. Es geht hier vor allem darum, dankbar dir gegenüber und stolz auf dich zu sein und dir so zu verdeutlichen, was du alles abseits der (vermeintlich) großen Ziele geschafft hast. Denn eines ist sicher: es tut gut einen Plan und eine Vision zu haben, um sich vorwärtszubewegen. Aber es ist vollkommen okay unterwegs auch mal vom Weg abzukommen. Denn dort warten oft ungeahnte Begegnungen und Chancen auf dich, die dich vielleicht an einen noch besseren Ort bringen.
Slow Living bedeutet für mich persönlich, so gut wiemöglich im eigenen Rhythmus zu leben, auf sich und seine Bedürfnisse zu hören und neben dem ganz Alltäglichen bewusste Zeiten zum Innehalten zu schaffen – Pausen zu machen, wenn man eine Pause braucht. In der Weihnachtszeit bedeutet es für mich konkret: einen Gang herunterschalten, das Jahrbewusst abschließen und mit einem wertschätzenden Blick auf das Vergangene zurückzuschauen. Ich nehme mir dafür gerne einen Tag zum Reflektieren und schreibe meine Gedanken in mein Notizbuch. Winter und Weihnachten sind dafür auch eine gute Zeit, sich im langsamen Leben zu üben.
Bei mir hat sich das Reflektieren als ein kleines Ritual zum Jahreswchsel etabliert. Was mir an diesem jährlichen Reflektieren besonders gut gefällt ist, dass man sich seine persönliche Entwicklung auf einen Blick und das über mehrere Jahre hinweg immer wieder vor Augen führen kann.
Nimm dir dafür ein weißes Blatt Papier, einen Lieblingsstift (oder mehrere) und etwas Ruhe. Schreibe das alte Jahr symbolisch als Zahl in die Mitte des Blattes. Jetzt beginnt der eigentliche Teil: Stelle dir nun als Nächstes einige Fragen und notiere im Uhrzeigersinn jeden Schritt, oder jede noch so kleine Begegnung die dich glücklich, stolz oder eben einen Schritt näher an deine Ziele gebracht hat. Hast du dir etwas Spezielles vorgenommen in diesem Jahr? Gehe gedanklich durch jeden einzelnen Monat. Tipp: im Terminkalender schlummern oft Ereignisse, die man im Alltagstrubel schon wieder vergessen hat.
ÜBUNG FÜR DICH ZUM JAHRESABSCHLUSS
Manchmal hat man ein spezielles Ziel vielleicht nicht ganz erreicht, doch sicher gibt es viele kleine Schritte, die man zumindest schon in diese Richtung gegangen ist.
Oder es sind unerwartete Dinge passiert, die dich auf andere Weise bereichert haben. Der Trick dabei ist, sich Dinge bewusst(er) zu machen, indem man sie nicht nur ausspricht, sondern auch visualisiert.
Das mag dir auf den ersten Blick noch etwas abstrakt vorkommen, aber ich will dir ein paar unserer Fragen mit an die Hand geben, damit es dir gerade am Anfang etwas leichter fällt. Bestimmt fallen dir danach noch mehr Fragen ein, die dein persönliches Jahr noch besser reflektieren und schon wirst du merken, dass dir der Platz auf deinem Blatt Papier ausgeht.
Welche Erlebnisse im vergangenen Jahr zählen zu deinen fünf schönsten?
Gibt es etwas, was du zum ersten Mal ausprobiert hast?
Welche Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Kenntnisse hast du dir angeeignet, die du vor einem Jahr noch nicht hattest?
Welche Person hast du kennengelernt, die dein Leben besonders bereichert (hat)?
Wer oder was war für dich die größte Überraschung?
Welches (ungewöhnliche) Kompliment hast du erhalten?
Welche persönlichen (Teil-)Ziele hast du erreicht?
Was hat gut funktioniert, was eher nicht und woran willst du festhalten?
Gibt es etwas, was du nur für dich (z.B. für dein Wohlbefinden) gemacht hast?
Was hättest du nicht geglaubt, wenn es dir jemand vor einem Jahr vorausgesagt hätte?
Kleines persönliches Resüme und Ausblick
Das vergangene Jahr war für mich persönlich wirklich ein sehr schönes, erfolgreiches, aber auch forderndes Jahr. Im März war ich gemeinsam mit Steffi beim Deutschen Gartenbuchpreis eingeladen, wo unser gemeinsames Buch „Slow Gardening“ nominiert war. Im Sommer ging mein neues, eigenes Buchprojekt „Weihnachten in Schweden“ in den Druck – ein Herzensprojekt, das ich komplett alleine fotografiert und geschrieben habe, das dieses Jahr unglaubliche fünf Wochen in den Top 20 der deutschen Kochbuch-Bestseller war und mit dem ich im November in Hamburg mit Silber beim Deutschen Kochbuchpreis ausgezeichnet wurde. Das war wirklich eines meiner absoluten Highlights und ein WOW-Moment für mich, denn damit hätte ich nicht gerechnet. Danke auch an jeden Einzelnen von euch, der eines meiner bisherigen Bücher kauft, liest, daraus kocht oder gärtnert. Ich war unglaublich gerührt über jede einzelne der vielen, vielen netten Nachrichten von euch – ihr seid der Wahnsinn!
Einige haben auch schon gefragt, wann das nächste Buch kommen wird. Ich kann schon so viel verraten: im Frühjahr 2027!
Dieses Jahr durfte ich einige interessante Gartenmenschen porträtieren und kulinarische Geschichten fotografisch in meiner neuen Heimat Schweden begleiten. Gartenstorys und Food-Geschichten jenseits meines eigenen Küchengartens bzw. meiner Küche sind etwas, das ich auch im nächsten Jahr vermehrt kreativ umsetzen möchte. Schreib mir gerne, wenn du 2026 mit mir zusammenarbeiten möchtest. Am liebsten natürlich bei allem, was mit Essen zu tun hat – also bei jeglicher Art von kulinarischer Geschichte. Ich mag es, die komplette Story quasi „von der Ernte im Küchengarten bis zum fertigen Gericht auf dem Teller“ visuell zu erzählen – egal ob für Magazine, meine Bücher, den Blog oder für kommerzielle Foodfotografie für Brands oder Produkte.
Es gibt noch etwas zu feiern: Gemeinsam mit Steffi blicke ich außerdem auf mittlerweile zehn Jahre Farmmade zurück! Farmmade ist unser gemeinsames Blogprojekt, das wir vor zehn Jahren gestartet haben. Dieses Jahr hat der Blog einen neuen optischen Anstrich bekommen, und ich bin immer noch dabei, ihn etwas umzugestalten – wie du vielleicht auch schon gemerkt hast. Ursprünglich diente der Blog als Dokumentation, wie wir den ehemaligen Bauerngarten unseres Opas am Hof in Finsing wieder reaktiviert haben – und als kreative Inspirationsquelle, was man saisonal aus dem Garten kochen oder für später haltbar machen kann. Traditionelles Wissen kombiniert mit einem naturnahen und auch ein bisschen wilden Ansatz: Brennnesseln sind dabei genauso auf dem Teller gelandet wie essbare Blüten, Kräuter, Gemüse oder wild Gesammeltes aus der Umgebung. Mit der Zeit ist daraus ein Food- und Gartenblog sowie zwei gemeinsame Buchprojekte („Farmmade – Das Kochbuch“ und „Slow Gardening“) entstanden. Über die Jahre wurde daraus sogar ein Blog über zwei Ländergrenzen hinweg – aus zwei Gärten in Bayern und Schweden. Ein Blog, der sich immer verändert hat und weiter verändern wird – denn so ist das Leben. Und das ist auch schön so! Demnächst werde ich ihn erst einmal alleine weiterführen, da Steffi beruflich und privat neue Schwerpunkte setzt. Neben den gewohnten Food- und Gartenthemen werde ich künftig auch ein bisschen mehr über Slow Living und Schweden berichten.
Noch weiss, ich selber noch nicht, wie sich Farmmade weiterentwickeln wird. Das lasse ich auf mich zukommen und wird sich zeigen. Ich möchte hier einfach weiterhin mit viel Freude und Kreativität zeigen, was mir persönlich gefällt, was mich bewegt, was mir schmeckt und was mich inspiriert….Gerade weiss ich auch noch nicht, ob ich bei Instagram weiter und farmmade sisters posten werde oder unter meinem kleinen neuen kreativen Sideprojekt The Slow Season oder was komplett Neuem? Was meinst du dazu? Schreib mir gerne , wenn du hier eine Idee hast….
Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn du mich hier auch weiterhin begleitest, und freue mich auch im neuen Jahr auf persönliche Nachrichten von dir und gemeinsamen Austausch!
Alles Liebe und einen guten Start ins neue Jahr!
Deine Lisa